ARCHITEKTUR


Wichtigste Daten
980: Fucaldus, Bruder des Grafen von Limoges, errichtet auf einem den Fluß überragenden Felsen ein befestigtes Fort, das er Fucaldus in rupe nennt: Der Felsen des Foucauld.

11. Jahrhundert: Der Sohn des Fucaldus läßt den quadratischen Burg-fried errichten.

1350: Unter Aimery von La Roche-foucauld entstehen die beiden das Portal flankierenden Türme.

1453: Jean von La Rochefoucauld er-richtet die drei mächtigen Ecktürme und bekrönt als Zeichen für den in der Schlacht von Castillon davongetragenen Sieg, der den Hundertjährigen Krieg beendendete, den Burgfried mit weiteren Etagen.

1520: Anne von Polignac beginnt den dem Stil der Renaissance verpflichteten Umbau der mittelalterlichen Festung. Die dreigeschoßigen Arkadengänge an der Süd- und Ostseite des Innenhofes, sowie die den Entwürfen Leonardo da Vincis zugeschriebene große Stiegen-spirale sind Teil dieses ursprünglich das ganze Schloß umfassenden Projektes.

1615: Abbruch des mittelalterlichen Nordflügels und Öffnung des Innenhofs im Geschmack des beginnenden 17. Jahr-hunderts.

1760: Wiederaufbau des nach einem Brand zerstörten Westflügels des Schlosses im Stil des 18. Jahrhunderts.

Das Schloß von La Rochefoucauld zählt auf Grund seiner architektonischen Vielfalt, seiner baukünstlerischen Qualität und seiner Eleganz zu den bedeutensten Architekturdenkmälern Frankreichs.
Das Gebäude beeindruckt bereits aus der Ferne durch seine stattlichen Türme, von denen die das einst mit einer Zug-brücke ausgestattete Portal flankier-enden zu den ältesten gehören. Die mächtigen, aus dem 15. Jahrhundert stammenden Ecktürme sind zinnen-bekrönt und mit außergewöhnlich steilen Dachkegeln ausgestattet.
Die in der Renaissance errichtete Süd-fassade ist der mittelalterlichen Wehr-mauer vorgeblendet. Die seitlich dia-gonalgestellten Mauerflächen ermög-lichen die Einbindung dieser neuer-richteten Prachtfassade in den mittel-alterlichen Grundriß.
Die Ostfassade hingegen ist auf den Fundamenten der früheren, von den Ecktürmen flankierten Wehrmauer errichtet. In ihrer Konzeption steht sie der Fassade des von François Ier errichteten Schloßflügels von Blois nahe.

Die architektonische Ausgestaltung der beiden Fassaden ist unterschiedlich, jedoch harmonisch aufeinander ab-gestimmt. Insbesondere das Kranz-gesims der Südseite entspricht weit-gehend dem der Ostseite. Im Unter-schied dazu jedoch sind die Fenster-öffnungen auf der Südseite nur mit einfachen Bandmotiven versehen, wie auch der Skulpturenschmuck weit-gehend noch den Einfluß der Gotik erkennen läßt. Diese Tatsache erlaubt die Schlußfolgerung, daß der Umbau des mittelalterlichen Schlosses mit der Südfassade seinen Anfang genommen hat. Das große Treppenhaus, welches vollständig im Südflügel des Schlosses eingebunden ist, wird von einem turmartigen Pavillonaufbau bekrönt, der zusammen mit der hier mit Pilastern versehenen Fensterachse einen beeindruckenden architektonischen Akzent darstellt.

DIE RENAISSANCEARKADEN
Die Einzigartigkeit des Schlosses besteht in der Ausgestaltung des Innenhofes, der jedoch als Fragment betrachtet werden muß, da die Nordseite unausgeführt blieb und der Westflügel nach einer Brandkatastrophe im 18. Jahrhundert im Stil der Zeit wieder-richtet wurde. Die beiden restlichen Hoffassaden haben ihre auf drei Etagen angeordneten Arkadengänge bewahrt. Einem italienischen cortile nachempfunden, erinnert diese für Frankreich einzigartige Fassadenarchitektur an die Entwürfe Bramantes für den vatikanischen Corte Santo-Damaso. Der Einfluß italienischer Vorbilder ist insbesondere in den beiden Obergeschossen der Arkaden nachweisbar.

DIE PORTALE
Die architektonisch bedeutenden Portale der Arkadengänge spiegeln das Interesse der italienischen Renaissance für die römische Antike wieder. Eine der bemerkenswertesten Beispiele dafür ist das Kapellenportal. Flankiert von zwei kanelürten und mit korinthischen Kapitellen ausgestatteten Säulen, finden sich hier die Initialen der Bauherren wieder: « F » und « A » stehen für François von La Rochefoucauld und Anne von Polignac. Das Kapellenportal wird von einem Korbbogen überwölbt, daß mit Engelsfiguren ausgeschmückt ist. Darüber befindet sich ein florentinisches Mäanderband, das als "laufender Hund" bezeichnet wird.

DIE KAPELLE Die Kapelle, deren Apsis das Innere des Nord-Ostturms ausfüllt, wird von hohen Lanzettfenstern belichtet. Sie wird von einem Kreuzrippengewölbe überdeckt, das auf Strebepfeilern ruht, die auf Grund der Ausformung der Kapitelle als von der italienischen Gotik beeinflußt gelten. Mittels eines Kegelstumpfes werden die Kapitelle der Strebepfeiler nach oben hin optisch verlängert, ohne dadurch den antiken Säulenkanon zu beeinträchtigen. In dieser Eigenschaft stellen sie eine der ersten Beispiele dieses Prinzips in Frankreich dar. Im 20. Jahrhundert erfuhr die Kapelle einige architektonische Veränderungen, die auf den unvorhergesehenen Tod von François XVII, der im Kindesalter verstorben war, zurückgehen. Die Glasfenster, die Tribüne und der Seinboden im Chorbereich stammen aus dieser Zeit. Die Eltern des Knaben legten besonderen Wert darauf, die Initialen ihres Sohnes wie auch sein Porträt in der Kapelle zu verewigen. Sie sind gemeinsam mit ihrem Kind in der Gruft bestattet.

DIE GROSSE TREPPE
Es handelt sich um das architektonische Glanzstück des Schlosses. Als majestätische Stiegenspirale, ausgestattet mit mächtigem Treppenkern und geometrischen Architekturornamenten, steht sie in unmittelbarem Zusammenhang mit den großen Spiralen von Blois und Chambord. Das quadratische Treppenhaus hat eine Seitenlänge von 6,75 m und wird von einem kunstvollem Kreuzrippengewölbe überdeckt. An seinem oberen Abschluß befindet sich die Skulptur eines mit einer Narrenmütze versehenen Falkners, über dessen Identität Unklarheit herrscht. Die Treppenspirale setzt sich aus 108 Stufen zusammen, von denen die längste 4 m mißt.